Wenn überhaupt eine Normalität im Chaos bestehen kann, dann dank Disziplin. Viele haben akzeptiert, dass 2 Meter Abstand die neue Nähe ist. Händewaschen ist ein Ritual des Schutzes geworden, für sich selbst, für alle. Anstecken darf nicht sein. Ich bewundere die unzähligen Menschen, die  Kranken und Gesunden helfen, in der aussgewöhnlichen Lage. Hoffentlich bleibt Balkonapplaus nicht der einzige Dank für die Tapferen.

Doch schon gibt es Hinweise auf die Normalität. Die die Statistiken werden perfektioniert - offenbar das Wundermittel, auf das alle warteten. Zahlen sind uns fast so wichtig wie WC-Papier.

Es wird viel gesagt und geschrieben. So ziemlich jeder Aspekt rund um Corona ist durchleuchtet, jede Sensation hinausposaunt und kommentiert. Jeder Fakt und jedes Fake wurde so lange ausgelutscht, bis es fade und wässerig schmeckt wie Büchsenravioli.

Es geht weiter, langsamer zwar und anstrengender. In unserem Haus ist es ruhig. Ab und zu fährt der Aufzug, manchmal klingelt ein Kurier oder jemand steht unter dem Fenster, hält inne für eine kurzen Schwatz. Ein Hund bellt. Im Exil in den eigenen vier Wände schleifen sich neue Routinen ein. Was früher nebenbei erledigt wurde schiebt sich ins Zentrum. Was bisher nur flüchtig wahrgenommen wurde, erhält einen neuen Glanz. Werte und Zeit verschieben sich in Umlaufbahnen, die räumliche Eingrenzung erzeugt einen neuen Kosmos.

Manchmal stelle ich mir vor, in einem Raumschiff durch die Krisenzeit zu gleiten. Lautlos folgt es seiner Bahn, als wäre nichts geschehen, fliegt stetig weiter zu einem fernen, erhofften Alltag, der nicht mehr der gleiche sein wird.

Keep calm and carry on 

Von UK Government - Digital scan of original KEEP CALM AND CARRY ON poster
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Steved1973 (talk) 10:40, 22 October 2011 (UTC), Gemeinfrei, Link

Mehr zur Geschichte von "Keep Calm" auf www.watson.ch