Die "Jeune Chambre internationale de la Riviera" hat die Initiative "Organspende fördern – Leben retten" lanciert.

Logo zur Initiative "Organspende - Rette Leben"

Tatsächlich, die Zahlen der Hilflosigkeit hinterlassen ein ungutes Gefühl: fast 1500 Menschen in der Schweiz warten auf ein Organ. Jedes Jahr sterben 100 Personen, weil sie zu lange warten mussten. Eine Besserung dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, im Gegenteil immer weniger gespendete Organe lassen die Lücke noch grösser werden.

Die Initianten streben an, eine Widerspruchslösung in der Bundesverfassung zu verankern. Neu soll der Artikel 119a Abs. 4 so lauten:

Art. 119a Abs. 4
4 Die Spende von Organen, Geweben und Zellen einer verstorbenen Person zum Zweck der Transplantation beruht auf dem Grundsatz der vermuteten Zustimmung, es sei denn, die betreffende Person hat zu Lebzeiten ihre Ablehnung geäussert.

Emotionale Diskussion vorprogrammiert

Wie erwartet sorgt das Thema für Gesprächsstoff. Im Gegensatz zu den sachlichen und informativen Beiträgen in den Medien häufen sich die Kommentare mit allerhand hausgemachtem Halbwissen: Selber schuld, Organhandel, Missbrauch, Organdiebstahl, ich bin unsterblich, meine Organe gehören mir, wer zahlt mir was? und ähnliches mehr geistern durch die Spalten. Mein Eindruck ist: Halloween steht eindeutig vor der Tür! Durch alle wilden Wortmeldungen hindurch schimmert jedoch die Angst der Schreibenden, sich wirklich mit dem eigenen Tod auseinander zusetzen. Zu akzeptieren, dass der Körper so oder so vergänglich ist und dass die einzigen unserer Spuren, die etwas bewirken, unsere – hoffentlich guten - Taten sind.


Hugo Stamm hat das zutreffend formuliert in seinem Beitrag auf Watson vom 28.10.17 "Organspende: Was passiert mit dem Herz nach dem Tod?
"Wir Menschen tun uns schwer mit dem Tod. Das ist verständlich. Wir wissen nicht, wie sich das Ableben anfühlen wird, und es setzt unserem irdischen Dasein ein unwiderrufliches Ende. Das verunsichert, macht Angst, schmerzt. So ziemlich alle Menschen und alle Glaubensgemeinschaften sind sich einig, dass der Tod das irdische Dasein endgültig besiegelt. Die milliardenfache Erfahrung lässt keinen Interpretationsspielraum offen. Lebendigen Leibes von den Toten aufgestanden wird praktisch nur in der Bibel."

Was tun? Unterschreiben? Wegschauen? Schweigen?

Die Initiative zielt in die richtige Richtung: mehr gespendete Organe retten Leben. Und wenn es nicht eine Sache der Nächstenliebe ist, dann wird es eine Sache des Gesetztes. Schliesslich marschiere ich auch nicht an einem Unfallopfer vorbei und sage: Dumm gelaufen, aber deine letzte Stunde hat halt geschlagen. Sondern wir leisten – wie das Gesetzt es vorschreibt – erste Hilfe. Denn manchmal hängt an einem Leben nicht nur ein gesundheitliches Wrack, sondern auch ein Partner, eine Partnerin, Geschwister, Kinder, Eltern.

Und das gilt es, zu schützen. Bedingungslos, mit oder ohne Gesetz, mit oder ohne Bibel. Man muss sich im Klaren sein, was man will und was nicht. Und man muss es sagen. Dann reicht ein einfacher Organspenderausweis, um ja oder nein zu einer Organspende zu sagen.

Mehr Informationen

Zur Initiative und zu den Unterschriftssammelbögen: https://www.initiativeorganspende.ch/
Swisstransplant unterstützt die Initiative: https://www.swisstransplant.org/de/organspende-transplantation/volksinitiative/

PS

Ich habe heute die Initiative unterschrieben. Peter Maibach, 29.10.2017