Kurz bevor es mir nicht mehr möglich war, weite Reisen zu unternehmen, holten wir die längst geplante USA-Reise nach. Während Rosmarie von New York schwärmte zog es mich nach Hartford, einer kleinen Stadt in Connecticut. Meine Eltern lebten dort, der Vater arbeitete am Mc Cook Hospital. Am 8. Oktober 1953 kam ich zur Welt. Die Mutter erinnert sich noch heute genau, wo „ihr“ Stadtteil, „ihr“ Haus  und „ihr“ Spital lagen. Dank Google-Maps und vielen Familienfotos konnten wir uns so ein Bild machen, wo das alte Hartford lag.

Ich war schon aufgeregt, als wir uns dank dem Navigationsgerät aus dem modernen Hartford dem älteren, etwas heruntergekommenen Stadtteil näherten. Nach so langer Zeit erwartete ich nicht mehr viel vorzufinden. Doch tatsächlich, das Mc Cook stand nicht nur in der Geburtsurkunde sondern auch wirklich vor uns. Jagdfieber packte Rosmarie und mich. Das Hospital war geschlossen und der Eingang versteckt hinter wuchernden Büschen und Bäumen. Auch das inzwischen verlotterte Wohnhaus konnten wir anhand der alten Fotos identifizieren und die Taufkirche fanden wir auf Anhieb.

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Wohnhaus und Mc Cook Hospital links 1953, rechts 2011

Ein Kreis schloss sich. Nach fast 60 Jahren stand ich am Ausgangspunkt meines Lebens, fühlte mich geborgen in der Familiengeschichte, die in einem Amerika begann, welches damals für meine Eltern das gelobte Land war, in welches sie aus der engen Schweiz flüchteten.

Hier das Reisetagebuch von Rosmarie Bernasconi und Peter Maibach