Und wieder verstrich Zeit, Zeit, die Peter und ich für intensive Gespräche nutzten. Die vielen Wanderungen halfen uns, den Alltag zu bewältigen und sich auch die unterschiedlichen Szenarien vorzustellen. Lebendspende? Leichenspende? Und immer wieder die Frage – was wenn es nicht klappt, wenn ich aus gesundheitlichen Gründen keine Niere spenden kann? Es waren viele Fragen im Raum und immer wieder bestätigte ich mir, dass ich auf dem richtigen Weg war. Egal was geschehen wird und würde. Ich hatte das Glück, eine Kollegin zu haben, die ihrem Mann eine Niere gespendet hat und so hatte ich die Möglichkeit viele Fragen zu stellen, die sie mir auch beantworten konnte. Eine Niere zu geben – tja – das ist nicht einfach ein Pappenstil.

Aber wieder der Reihe nach. Im Winter 2012 stürzte mein „Immunsystem“ ab und ich hatte einen Polyarthritisschub, dies wurde dann aber erst später bestätigt. Nach einer Schneewanderung ging gar nichts mehr. Ich konnte keinen Schritt ohne Schmerz laufen, nichts ging mehr. Manchmal schrie ich vor Schmerz und da ich in meinem Leben glücklicherweise von Krankheiten verschont blieb, war dies für mich tatsächlich eine schwierige Zeit. Meine quirlige und lebendige Art, war gebremst und ich konnte nicht viel anders als liegen und Schmerztabletten „vertilgen“.

Was wird nun aus einer Nierenspende? Hunderttausend Fragen gingen mir durch den Kopf. Keine Ahnung. Und noch gab ich nicht auf. Entzündungshemmer verschrieben von der Hausärztin. Entsetzen bei den Nierenärzten. Unterschiedliche Sichtweisen passten genau in meine eigene Zerissenheit. Und immer noch hielt ich an „unserem“ Plan fest. Ich musste zu weiteren Abklärungen in die Insel – und wieder war ich einfach Organ. Lunge, Herz, Gefässe … ich musste in die Röhre, um die Nieren genau anzusehen. Ich war erschöpft und – und doch würde ich es wieder machen. Die Röhre war dank dem Beisein von Peter erträglich. Ich hatte mir gewünscht, dass er dabei sein kann.

Ich blieb zwei Tage in der Insel und erst kurz bevor ich entlassen wurde, bemühte sich eine Assistenzärztin zu einem Gespräch. „Sie haben einen Tumor“, meinte sie lapidar. Ich viel aus allen Wolken. „Es wäre gut, wenn wir jetzt noch eine Darmspiegelung machen würden“, schlug sie mir vor. Ich wollte einfach nur weg – nach Hause. Keine weiteren Untersuchungen mehr, einfach nichts mehr. Glücklicherweise war Peter bei mir, sonst wäre ich ihr an die Gurgel gesprungen.

Am Schluss steckten sie mir noch eine Eiseninfusion, weil ich zu wenig Eisen hatte. Ich war froh nach Hause zu können und so musste ich nun auf weitere Befunde warten. Kurze Zeit später bekam ich den Befund, dass sie ein Teratom am linken Eierstock gefunden haben. Dies hiess also – eine Operation über mich ergehen lassen. So langsam hatte ich genug – Polyarthritisschub – Operation – meine Hoffnung auf eine Nierenspende wurde immer kleiner. Und doch – ich gab die Hoffnung nicht auf. Es war der 22. Mai 2012 – auch wenn ich mich mit der „ungeliebten“ Oberärztin treffen musste – es war mir egal. Ich wollte endlich wissen wie es nun weitergehen würde. Ich hatte 12 Kilo abgenommen – gut – das Kranksein half sicher – meine Lunge, mein Herz und vor allem meine Nieren waren gut – aber: Und das konnte niemand vorhersehen und ahnen – der Rheumaschub – der war nicht gerade förderlich. Obwohl viele Blutabklärungen gemacht wurden – wurde das Rheuma erst nach dem Schub diagnostiziert.

Ich sass also der Assistenzärztin und der damaligen Oberärztin gegenüber – ihr sorgenvoller Blick hiess nichts gutes. „Im Moment ist eine Nierenspende unmöglich – aus gesundheitlichen und ethischen Gründen, wir können das nicht verantworten.“ „Ich kann also keine Niere spenden“, sagte ich nur. „Nein, im Moment nicht und die Zukunft sieht auch nicht rosig aus – sie haben super abgenommen – aber es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen. Wie ein Häufchen Elend sass ich da – haderte mit dem Schicksal. Ich hatte noch die Unterleibsoperation vor mir – und wie weiter?