Fesselspiele, wie sie seit Erscheinen der „Shades of Grey“ offenbar auch diesbezüglich eher ruhigere Schweizer Schafzimmer erobern, sind seit heute Morgen, acht Uhr, um eine Variante reicher: Selbstfesselung per Dialyseschlauch.

Schlaftrunken bin ich in der Nacht aufgewacht, habe den Cycler kurz vom Strom genommen und habe sowohl das Stromkabel wie auch den Dialyseschlauch, der zu meinem Katheder führt, an zwei der dafür vorgesehenen Haken gehängt, damit es unterwegs kein „Gnusch“ gibt. Dann habe ich mein Wägeli, zwar noch im Halbschlaf, aber dennoch zügig zum WC gerollt. Wenige entspannte Minuten später gings erleichtert zurück ins Schlafzimmer, Strom rasch wieder einstecken, bevor der Alarm kommt und husch unter die warme Decke.

Die Träume umfingen mich bald wieder und offenbar drehte ich mich dabei einmal um die eigene Achse. Dummerweise hatte ich vergessen, den Bauchschlauch vom Haken zu hängen, was die Schlauchlänge gut halbierte. So erwachte ich von einem schmerzhaften Zug bei der Kathederaustrittstelle. Mit zunehmendem Erwachen und Erstaunen stellte ich fest, dass ich straff in den restlichen Schlauch gefesselt im Bett lag. Der Cycler begann den letzten Auslauf. Schon blinkten die Lampen Rot: „Prüfen Sie die Patientenleitung!“ Ja gerne, bloss können sollte man können! Wenn ich mich nur wenig drehte, stieg der Zug unangenehm auf der Leitung. Rosmarie anrufen? Das Handy lag gut sichtbar, aber ausserhalb der Reichweite, verflixt. Zudem war ich nicht gerade auf Publikum aus.

Mit hin- und herrücken gelang es mir endlich, die Fesselung zu lockern, den Schlauch und dann auch mich zu befreien. Etwas verwirrt konnte ich endlich aufsitzen. Ich schaute dem Display zu, wie der Zähler den Auslauf zählte, als wäre nicht gewesen. Da beschloss ich spontan, niemandem etwas von meiner Selbstbondage-Erfahrung zu erzählen.