„Einmal möchte ich nach Grindelwald“, machte Rosmarie den ersten Schritt für einen Wintertag im Schnee. Nach dem ewig gleichen Morgenritual – letzter Auslauf, letzter Einlauf, vom Cycler abhängen, Werte notieren, Blutdruck messen, wägen, Maschine leeren und tausend anderen Pflichten sassen wir im Zug ins Berner Oberland, wie in der guten alten Zeit. Einfach etwas später als früher, aber dazu kommen wir noch.

Frau Bernasconi hatte einen Winterwanderweg ausfindig gemacht, ab Grindelwald First. Also nichts wie los, ab in die Sesselbahn und hoch auf 2100 Meter. Es würde ein schöner, erholsamer Spaziergang werden, versprach das Internet.  Doch zuerst ging es eine Stunde bergauf zur Gummi - Hütte auf 2262 Meter. Die Aussicht war phantastisch, Berge rundum, keine Wolke am Himmel. In der Sonne war uns warm geworden. Schicht um Schicht wanderten Jacken und Mützen in den Rucksack.


Unterwegs im Schnne zwischen Grindelwald First und Bort

 

Dann begann ein weit ausholender Abstieg Richtung Waldspitz. Wir wurden langsam müde, schon waren wir über zwei Stunden unterwegs. Da kam uns das Restaurant Waldspitz wie gerufen: heisse Schoggi, Kuchen und Berge von Nidle aktivierten unsere Reserven. Die Sonne stand schon deutlich tiefer und es wurde frisch. „Wie lange haben wir noch bis Bort, zum Bähnli?“ fragten wir die sympathische Wirtin Chrige. „Öppe eine Stunde braucht ihr schon, das reicht gerade knapp aufs letzte Bähnli ins Tal.

Rasch brachen wir auf und marschierten los, wie in guten alten Zeiten. Wir hatten Stalldrang oder besser Bahndrang. Doch eine rutschige, steile Stelle bremste unseren Tatengeist aus, der Weg zog sich länger durch den Wald als erwartet. In weiter Ferne sahen wir die Masten der Gondelbahn. Doch wo wollte der Weg mit uns hin?

In einem langegezogenen Bogen marschierten wir um die Seilbahnstation und fanden uns vor einem langen, recht steil ansteigenden Hang wieder, zuoberst unser Ziel, die Zwischenstation Bort. Wir keuchten bergauf, in wenigen Minuten würde die Bahn stillstehen. Die Kasse war bereits geschlossen, als wir mit einem letzten Seufzer beim Bähnli ankamen. Dennoch durften wir – noch ausser Atem – in eine der Gondeln steigen und wenig später standen wir noch etwas benommen mitten im Trubel von Grindelwald. Erst Zuhause, beim Betrachten der kalenderreifen Fotos nahmen wir wahr, was für ein Prachtstag wir erlebt hatten.

Und dann war es schon wieder Zeit für an die Maschine, beim Anhängen bin ich beinahe eingeschlafen, war aber glücklich und zufrieden wie schon lange nicht mehr.