Symposium für Transplantierte 2013 / Teil 2


Medikamentensicherheit

Nach erfolgter Organtransplantation taucht eine neues Wort im Vokabular auf: „Abstossung“. Der Körper reagiert mit Abwehrmassnahmen auf das neue Organ. Gegen diese wird mit einem umfassenden, sehr individuellen Medikamentenmix vorgegangen. Bis zu 15 Medikamente pro Tag, bis zu 4000 Tabletten pro Jahr müssen zuverlässig eingenommen werden, führt Prof. Sabina de Geest von der Universität Basel aus. Dies stellt für das medizinische Personal, die Angehörigen und die Patienten eine grosse Herausforderung dar. Nach einer anfänglich disziplinierten Phase kann bald einmal eine gewisse Nachlässigkeit eintreten. Offenbar geht die Belastung der Vortransplantationszeit schnell vergessen oder aber mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten machen Angst. Zentrales Anliegen ist auch hier: Motivation statt Kontrolle. Ein neues Feld eröffnet sich hier mit der zunehmenden Digitalisierung, so können Smartphones bei der Erinnerung an die Medikamenteneinnahme gut unterstützen. Ein Raunen ging durch das Auditorium, als ein System zur digitalen Erfassung von eingenommenen Medikamenten vorgestellt wurde.


Therapiegestaltung

Prof. Dr. Bruno Vogt, Leiter der Nephrologie am Inselspital Bern  widmete sein Referat der Therapie nach erfolgter Transplantation. Dabei besonders heikel ist das erste Halbjahr nach der Operation, auch hier im Vordergrund das Vermeiden einer Abstossung. Vogt präzisiert, dass die erwähnten 4000 Tabletten bei gutem Verlauf zutreffen mögen, bei Komplikationen kann sich die Anzahl einzunehmender Pillen verdoppeln. Ein weiterer Aspekt sind mögliche Nebenwirkungen, die es gegen eine Abstossungsgefahr abzuwägen gilt. Unterschiedlich auch die Risikobereitschaft bei den Empfängern, die soweit führen kann, dass alle Nebenwirkungen hingenommen werden, um das geschenkte Organ zu erhalten. Nicht ausser Acht gelassen werden dürfen Therapieformen wie Verzicht auf Rauchen, mehr Bewegung und Gewichtskontrolle sowie psychologische Aspekte: Transplantierte stehen oft unter der Zwangsvorstellung „nicht mehr krank werden zu dürfen und glücklich sein zu müssen.“


Forschung, Entwicklung, Produktion, Zulassung, Preis

„Wie viel darf ein Lebensjahr mehr kosten?“, provoziert Thomas Cueni, Geschäftsführer von Interpharma. Er spannt einen weiten Bogen, was Wissenschaft plant, was die Pharmaindustrie umsetzten kann und was schlussendlich Patienten zugutekommt. Marktanreize, darunter zunehmend Lifestyle-Medizin, lassen neue Medikamente entstehen. Schwierig, auszubalancieren, wie bei Sparanstrengungen die Mittel verteilt werden sollen, denn die Grenzen des Machbaren sind weiter gezogen als die des Finanzierbaren. Dabei gewinnen auch nicht-medikamentöse Therapierformen an Bedeutung.

„Einziger Rohstoff der Schweiz ist das Wissen“, so Cueni, und weiter: „die Forscher müssen arbeiten dürfen“.